Skip to main content

AIV Schweinfurt

Protokoll Preisgericht Theodor-Fischer-Preis 2015

 

Protokoll der Preisgerichtssitzung zum Theodor-Fischer-Preis 2015

Das Preisgericht tagte am 06.10.2015. Die Preisrichter waren:

  • Ralf Brettin, Baureferent der Stadt Schweinfurt
  • Michael Deppisch, Architekt, Freising
  • Renee Lorenz, Architekt, Grub am Forst
  • Martin Matl, stv. Diözesanbaumeister, Fulda
  • Manuel Schwefer, Architekt, Schweinfurt

Die Vorprüfung wurde durchgeführt von Reinhard Greipel, Architekt, Schweinfurt mit Pascal Réveiller.

Als Vorsitzender des Preisgerichts wurde Herr Deppisch gewählt. Herr Matl wurde als Protokollant bestellt.

Es wurden 14 Objekte von 12 Bewerbern zur Beurteilung eingereicht. Sämtliche Beiträge wurden von der Vorprüfung zur Begutachtung durch das Preisgericht zugelassen. In einem ersten Rundgang wurden alle Beiträge anhand der Präsentationstafeln vorgestellt. Nach dem Rundgang würdigte das Preisgericht die Vielfalt und die Qualität der Beiträge. Es wurde festgestellt, dass die Gesamtschau aller eingereichten Arbeiten ein sehr erfreuliches Bild ergeben, mit Beiträgen vom Einfamilienhaus bis zur Wohnanlage im städtebaulichen Maßstab und vor einer Freianlagengestaltung, über Sanierungen im Bestand bis zum Neubau. Neben der hervorzuhebenden Leistung der Architekten, die die Arbeiten eingereicht haben, deutet das Niveau der Beiträge auch auf ein verbreitetes Bewusstsein vieler Bauherrn für die Bedeutung und die Möglichkeiten zeitgemäßer Baukultur in der Stadt. Schweinfurt kann diesbezüglich eine auch von außerhalb wahrnehmbare positive Entwicklung vorweisen, die weiter gefördert und unterstützt werden sollte.

In einem weiteren Rundgang wurden sechs der eingereichten Arbeiten in die engere Wahl gezogen für eine eingehendere Begutachtung.

Nach weiteren Beratungen und der Besichtigung der Objekte vor Ort wurde durch das Preisgericht beschlossen, dass neben der Vergabe des Theodor-Fischer-Preises ein weiteres Projekt aufgrund seiner besonderen Qualität mit einer lobenden Anerkennung ausgezeichnet werden soll.

Das Preisgericht nahm schließlich folgende Prämierungen vor.

Lobende Anerkennung Theodor-Fischer-Preis 2015:
Projekt: Umbau und Modernisierung Pfarrzentrum Christkönig
Bauherr: Kath. Kirchenstiftung Christkönig Schweinfurt
Architekt: Brückner und Brückner, Würzburg

Beurteilung:

Das Projekt umfasst die energetische Sanierung und Neugestaltung der Fassaden der Gebäude des Kirchenzentrums bestehend aus Kindergarten, Jugendheim und Pfarrsaal. Unter einem breiten Attikaband wird die Fassade wechselweise mit senkrechten Holzlamellen vor großformatigen Fensteröffnungen und hellem Ziegelmauerwerk ausgefüllt. Der Gebäudeteil Pfarrsaal wurde generalsaniert und umgebaut. Die abgehängte Decke im Saal wurde entfernt, neue Bezüge zwischen innen und außen geschaffen und die Funktionsabläufe verbessert. Die Qualität der Architektur des Schweinfurter Architekten Mömken aus dem Jahr 1965 wurde dabei respektiert, behutsam transformiert und heutigen Anforderungen gerecht modernisiert. Sowohl im Außenbereich als auch im Inneren sind dabei stimmige, im Detail überzeugende und gestalterisch anspruchsvolle Räume entstanden. Die Innenraumqualität des großen Veranstaltungssaales wurde deutlich gesteigert und besticht durch elegante Lösungen für Materialwahl, Farbigkeit, Fügung und Integration der Gebäudetechnik in Decke und Fassade. Die zurückhaltende Formensprache fördert die Entfaltung des Gemeindelebens in allen Facetten und zeigt sich offen für die Aneignung durch die Benutzer.

Durch die Sanierung der Bestandsarchitektur mit ihren für die Moderne typischen Schadensbildern (Wärmebrücken, Betonschäden etc.) werden nicht nur bestehende Probleme gelöst, sondern neue ästhetische aber auch soziale Werte geschaffen, die dem Bauwerk längerfristig neue Akzeptanz sichern können. Das Projekt von Brückner und Brückner ist damit auch als wichtiger Beitrag zum nachhaltigen Umgang mit bestehender Bausubstanz des 20. Jahrhunderts anzusehen.

Preisträger Theodor-Fischer-Preis 2015:
Projekt: Neubau eines Büro- und Betriebsgebäudes
Bauherr: Georg Lesch Rohstoffhandel
Architekt: Schlicht Lamprecht Architekten, Schweinfurt


Beurteilung:

Auf dem bestehenden Gelände eines Rohstoffhandels wurde der Neubau für ein Büro- und Betriebsgebäude errichtet. Der kompakte zwei-, teilweise dreigeschossige Baukörper wird strukturiert durch einen schmalen eingeschnittenen Innenhof, der zur Belichtung wie auch als Aufenthaltsbereich dient. Von außen ist das Gebäude eingehüllt in eine charakteristische, auf den Ort und den Rohstoffhandel Bezug nehmende Fassade aus Corten-Stahl. Das Projekt weist eine bemerkenswert hohe Durcharbeitungsqualität der Architekten Schlicht und Lamprecht auf von der städtebaulichen Setzung auf dem Grundstück, über die Baukörperfigur, die innere Strukturierung, die Fassadengestaltung und - gliederung bis hin zu den Details des Innenausbaus. Entstanden sind dabei atmosphärische, lichte Räume, die die zunächst unwirklich erscheinende Umgebung aus Schrottmaterial, Betriebsverkehr, Betriebsmaschinen und umgebenden Großindustrieflächen zu verwandeln vermögen. Nach außen wird mit dem Neubau ein Zeichen für die Bedeutung guter Formgebung in der Arbeitswelt gesetzt, das identitätsbildend für Besucher und Mitarbeiter des Betriebs wirkt. Nach innen entstehen gut strukturierte, transparente Raumfolgen mit ruhigen Büroräumen und Rückzugsflächen, die einen Gegenpol zu Hektik und Lärm der Arbeitsumgebung anbieten. Die hohe Raumqualität der Innenräume kommt nicht nur den Büros der Firmenleitung des Familienbetriebs zugute sondern in gleichem Maße auch den Betriebsräumen der Mitarbeiter. Für das Engagement zur hochwertigen Bauinvestition im betrieblichen Bereich, den Mut zur ungewöhnlichen aber schlüssigen Materialwahl und die Fürsorge zur Herstellung einer humanen Arbeitswelt ist die Leistung des Bauherrn besonders herauszustreichen. In einer in der Regel durch wirtschaftliche Zwänge bestimmten Arbeitswelt stellt das Betriebsgebäude der Firma Lech ein herausragendes, vielschichtig überzeugendes und beispielgebendes Projekt dar. Eine häufig leider vernachlässigte Gebäudegattung wird hier zum Ausgangspunkt für ein gleichermaßen funktionelles wie poetisch schönes Haus. Mit seiner Verwandlung eines „Un-Ortes“ in ein Stück Lebenswelt zeigen Architekten und Bauherr die Kraft und die Möglichkeiten von guter Architektur auf. Das „Haus eines Schrotthändlers“ braucht keinen Vergleich mit der anspruchsvollen Architektur im Stadtgebiet zu scheuen.

Die Entscheidungen des Preisgerichts zu den Auszeichnungen mit dem Theodor Fischer Preis wurden einstimmig gefasst.
Für das Protokoll:
M. Matl, 07.10.15