BESICHTIGUNG DES BETRIEBSGEBÄUDES DES GEORG LESCH ROHSTOFFHANDELS GEWINNER DES THEODOR FISCHER PREISES 2015 | AIV Schweinfurt

Ort: 
Schweinfurt, Hafenstraße 14
Datum und Uhrzeit: 
21.04.2016 18:04

Liebe Mitglieder und Freunde des AIV Schweinfurt,                                                         

wir laden Sie herzlich, zu dieser für uns besonderen Veranstaltung ein.                                    

Theodor Fischer Preis 2015 - BDA Preis Bayern 2015.

Viel Anerkennung für die Architekten Schlicht Lamprecht und Zeit für uns, dieses Gebäudeim Original zu betrachten.

Auf unserer Vereinswebseite www.aiv-schweinfurt.de können Sie den Jurytext des Theodor Fischer Preises nach lesen. Der folgende Text ist die Beurteilung der Jury des BDA Bayern mit der Begründung für die Preisvergabe:

Altmetall ist durchaus eine poetische Angelegenheit, auch wenn diese Recycling-Branche nicht zuletzt wegen der TV-Serie „Die Ludolfs“ eher einen prolligen Ruf hat. Aber auf den Höfen der Familie Heinlein in Schweinfurt, wo sich die metallischen Reste der umliegenden Wälzlagerindustrieunternehmen zur Weiterverwertung einfinden, bekommt man eher den Eindruck eines riesigen künstlerischen Materiallagers, so bizarre Formen, Farben und Stoffe häufen sich hier zwischen Waagen und Pressen. Vor allem das warme Rostrot prägt die Arbeit dieses Familienunternehmens in Bayerns wichtigster Industriestadt, und deswegen ist die Fassade aus 4 Millimeter dicken Cortenstahlplatten, die Schlicht und Lamprecht um das neue Betriebsgebäude gehüllt haben, auch ein „familiäres“ Element.

Das in seinem Umfeld aus großen Blechhallen eher winzig wirkende Gebäude entfaltet innen ein erstaunlich komplexes Raumprogramm, das auch mehrere psychologische Aspekte zu beachten hatte. Vater Heinlein braucht den Sichtkontakt zum Arbeitshof, seine Tochter hatte in dem lärmstarken Tagesbetrieb den Wunsch nach Stille, und die enge Verbundenheit der Firmenleitung mit ihren langjährigen Mitarbeitern sollte sich auch innenräumlich abbilden.

Also organisiert sich das Gebäude mit gläsernen Innenseiten um einen stillen Hof, der mit Holzlamellen und geduckten Pflanzen im Kies die Anmutung eines Zengartens entfaltet. Die Innenorientierung durch raumhohe Fensterfronten erlaubt den ständigen Sichtkontakt zwischen den verschiedenen Arbeits- und Pausenbereichen. Und der Boss beobachtet durch die große Panoramascheibe von seinem Schreibtisch alles, was im Verarbeitungsbereich vor sich geht.

Das massive Gebäude mit seinem hermetischen Auftritt präsentiert sich in allen Arbeitsbereichen überraschend hell. Das gilt besonders für den lichten Besprechungspavillon im zweiten Stock, der nach drei Richtungen einen Blick über das Schweinfurter Industriegebiet erlaubt und den Zugang zu dem begehbaren Dach ermöglicht. Die helle und freundliche Atmosphäre bekommt ihre individuelle Prägung durch die kreisrunden Lichtfilter mit ihren vier kleinen Zacken, die einer häufig eingelieferten Stanzform der Autozulieferer entspricht. Wenn man dieses sehr persönliche und kommunikative Gebäude „Rostlaube“ nennt, dann ist das ein aufrichtiges Kompliment für die poetische Verbindung von Schrott und Idyll.

Es freuen sich auf diese Veranstaltung

Ursula Sauer-Hauck, Stefan Schlicht, Vorsitzende des AIV Schweinfurt

 

Bilder von der Besichtigung: